Vorgesorgt
Ich war beim allvierjährlichen Beratungsgespräch bei der hiesigen Bank. Der Filialleiter, der mich beraten sollte, war genauso alt wie ich, derselbe Jahrgang. Er saß da vor mir, in Anzug und mit Krawatte um den Hals, während ich in T-Shirt und mit komischer Frisur auf dem Stuhl lungerte. Der Typ hatte es weit gebracht, während ich im dritten Semester bin und keine Ahnung habe, wo ich mal landen werde. Umso surrealistischer kam es mir vor, als wir uns über «Altersvorsorge» und «Rente» unterhielten. Themen, bei denen ich sofort einschlafe, Themen, von denen ich nichts wissen will – lass mich doch in Ruhe mit dem Scheiß! Aber die Vernunft ist hellwach und in meinem Kopf brüllt sie: «Hör dir das an, das ist wichtig, sonst wirst du als lausiger 70jähriger ohne Geld enden, der im Wald leben muss usw.!»
Der Mann von der Bank holte ein Papier hervor und malte es mir auf: Kurzfristig betrachtet, frisst mein Studium all mein Geld auf. Mittelfristig werde ich hoffentlich irgendwann Geld verdienen. Langfristig sitze ich vor meiner kleinen Bude (Immobilie) am Strand, rauche Gras (für die Gesundheit), starre aufs Meer und bewerfe meinen Sohn (Erbe) mit Steinen. Ich wäre reich, obszön reich, alleine schon, damit die Bank stolz auf mich wäre!
Der Mann von der Bank empfahl mir also, dreißig bis fünfzig Euro im Monat anzulegen. Für später, fürs Alter. Der Staat nämlich, orakelte der Mann von der Bank, würde mir bestimmt nichts mehr geben, dann, wenn ich als lausiger 70jähriger im Schaukelstuhl sitze und mich über die modernen Zeiten aufrege. Früher war alles besser, früher, als man noch vor dem Computer sitzen musste, um im Internet zu «surfen».
«Ach Opa, du bist so herrlich altmodisch.»
Ich verstand und nickte, der Mann von der Bank hat bestimmt recht, aber ich gebe die dreißig bis fünfzig Euro im Monat lieber für Schinkenbaguettes, Fotobücher oder Romane von Hunter S. Thompson aus.
Ich Idiot.