Die Lage der Sahelzone

—21.07.2010

Wir waren rund ein Dutzend und wir schleppten uns über den verbrannten braunen Rasen, der sich scheinbar in die gleißende Unendlichkeit erstreckte. Wir waren wie dürre Vertriebene, die über die Steppe schlurften auf der Suche nach Fleisch, Wasser und Liebe. Und die Sonne brannte. Links und rechts und unten lagen welche; links und rechts und hinter mir gingen sie, alle irgendwie von Eile getrieben, so dass sie schließlich an mir vorbei zogen und ich der Letzte war, weil ich so langsam wie möglich ging. Manche bereits ohne Köpfe, die wild und ziellos umherirrten und schließlich leblos hinfielen und brutzelnd zu Fleisch wurden. Die moralische Verwerflichkeit des Verzehrs von Menschen wurde diskutiert; ganz verwegene Feinschmecker machten sich euphorisch an die Besorgung von Besteck und BBQ-Sauce. Ich musste weiter (und hatte doch Hunger).

Lustlos existierte ich, der Tag hatte mit leichten Kopfschmerzen begonnen, die auch gut Zahnschmerzen hätten sein können. Ich hatte mich überschlafen und die Vorgänge in meinem Kopf passierten sehr langsam: Gedanken wurden träge verschoben, Überlegungen zeitverzögert unternommen. Alles in Zeitlupe, in Slow Motion. Als fänden im Oberstübchen umfangreiche Umbaumaßnahmen statt, die den alltäglichen Gedankenfluss behindern. Umleitungen ins Nirgendwo, durch ein überlastetes Netzwerk. Staus und Auffahrunfälle, die zu dieser geistigen Trägheit führen. Dazu die Überhitzung, das Anbrennen von Gedanken, die halb verkohlt archiviert werden müssen.
    Sie mussten mich für einfältig halten.


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